Der Schuldige der Woche - Schwarzer Peter

Kennen Sie den Schuldigen der Woche?

Wenn bei Problemen über die Schuldfrage gestritten wird, ist dies immer ein Alarmsignal. Denn erstens sind Schulddiskussionen rückwärtsgewandt und tragen nichts zur Lösung des aktuellen Problems bei, zweitens wirken sie zersetzend auf den Zusammenhalt des Teams, und drittens sind sie ein Indiz dafür, dass der Glaube an den Erfolg des Projekts entweder verloren gegangen ist oder verloren zu gehen droht. Das ist denn auch ihre einzige positive Seite: Schuldzuweisungen sind ein Frühwarnsignal für eine heraufziehende Projektkrise und sollten auch so verstanden werden.

Solange die Beteiligten an den Erfolg ihres Projektes glauben, streiten sie bei Problemen nicht über die Schuldfrage, sondern darüber, was die richtige Lösung bzw. der richtige Weg zum Ziel ist. Selbst wenn ein Teil des Projekts schlecht läuft, vielleicht sogar so schlecht, dass dies den Gesamterfolg in Gefahr bringt, suchen zielstrebige Menschen nicht nach Schuldigen, sondern diskutieren darüber, was man tun kann oder muss, um dieses Teilprojekt wieder aufs Gleis zu bringen und die verlorene Zeit aufzuholen. Selbst ein eventueller Austausch von Personen dient nicht der „Bestrafung des Schuldigen“, sondern ausschließlich der Behebung der festgestellten Schwierigkeiten. Wo dagegen über die Schuldfrage gestritten wird, ist das Denken nicht mehr von der Hoffnung auf Erfolg bestimmt, sondern von Furcht vor einem Misserfolg und seinen Folgen. Hinter der Suche nach Schuldigen steht die unausgesprochene Annahme, dass das Unheil nicht mehr abzuwenden ist – so wie bei der Schuldigensuche nach Unfällen oder Verbrechen.

Schuldzuweisungen sind immer ein Indiz für Entmutigung, Resignation und Fluchttendenzen.

 

Deshalb: Installieren Sie den „Schuldigen der Woche“
und hängen Sie ihn oder sie visuell aus.

Die Suche nach einem Sündenbock dient einerseits dazu, einen Blitzableiter für die aufgestaute Frustration und Wut zu finden, andererseits dazu, sich und anderen zu beweisen, dass man selbst unschuldig an der tatsächlichen oder vermeintlichen Katastrophe ist. Beides ist erreicht, wenn jemand – ob unschuldig oder nicht – zum Schuldigen erklärt und angemessen abgestraft wird. Denn dessen Bestrafung ist ja zugleich die Lossprechung von jeder eigenen (Mit-)Schuld.

Wir wechseln bei uns den Schuldigen bzw. die Schuldige im Wochentakt.

Bevor wir diese Maßnahme eingeführt haben, hatten wir uns stundenlang mit der Schuldzuweisung beschäftigt. Jetzt ist es einfacher. Ist jemand unzufrieden oder klappt etwas nicht, dann deuten die Personen auf das Foto und schon können wir binnen Minuten wieder zurück an die Arbeit gehen. So haben haben wir viel Frustrationszeit gespart.
Denn: Dieser ganze Zirkus bringt weder das Projekt noch das Unternehmen auch nur einen Millimeter weiter – im Gegenteil: Die emotionalen „Kollateralschäden“ sind gewaltig. Erstens bleibt fast unweigerlich das Projekt auf der Strecke: Die Tatsache, dass die gesamte Energie in die Klärung der Schuldfrage geht, gibt ihm den Todesstoß. Denn natürlich hat in diesen aufgeregten Diskussionen niemand mehr die Zeit und den Nerv, sich nüchtern mit den sachlichen Problemen auseinanderzusetzen und sich um einen Ausweg zu bemühen. Zweitens – und langfristig noch schlimmer – wird auf diese Weise das gegenseitige Vertrauen und damit letztlich die Unternehmenskultur ramponiert.

Schuldzuweisungen sind wohl auch deshalb so „beliebt“, weil sie immer eine implizite „Ent-Schuld-igung“ beinhalten. Die Aussage „XY ist schuld!“ bedeutet ja zugleich: „Ich kann nichts dafür – ich habe meine Pflicht getan, mir kann niemand etwas vorwerfen!“ Damit eignen sie sich vorzüglich, sich reinzuwaschen, wenn auch zu Lasten der Kollegen. Der einzige Haken daran ist, dass der oder die anderen natürlich auch nicht schuld sein wollen an dem sich abzeichnenden Desaster und den Schwarzen Peter eilends weiterreichen.

Also, Schluss mit Schuldzuweisungen. „Probieren Sie den Schuligen der Woche aus“.

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