Lean Management ist mehr als nur ein Wort

Die wörtliche Übersetzung einzelner Begriffe aus dem Lean Management wird in den seltensten Fällen zum nachhaltigen Erfolg eines Unternehmens führen. Schlagwörter wie 5S oder Wertstromanalyse werden schnell in den Mund genommen. Doch der fachmännische Klang allein bringt eher Verwirrung als eine Fortentwicklung. Selbst wenn es damit gelingen sollte, die „low-hanging-fruits“ zu ernten, handelt es sich hier um kurzfristige Erfolge, die sich schnell in ihr Gegenteil und damit in Frust und Enttäuschung wandeln werden.

Daher kommt es darauf an, sich intensiv mit dem Gesamtkonzept, das hinter dem Begriff Lean Management steckt, zu beschäftigen, bevor man halbherzige Maßnahmen ergreift. Das bedeutet, sich das Gesamtsystem, mit dem gearbeitet wird, anzusehen und es zu analysieren. Nur wer das Lean Management als eine ganzheitliche Methode begreift, wird langfristig erfolgreich sein. Denn die genaue Kenntnis aller Prozesse ermöglicht es, genau die Stellen zu definieren, die einer Verbesserung oder Umgestaltung bedürfen. So wird das Unternehmen rentabler, kann flexibler auf Veränderungen des Marktes reagieren und sichert so langfristig seine Zukunft. Die an diesen Prozessen beteiligten Mitarbeiter werden wegen ihrer Einbeziehung weitaus zufriedener sein, weil sie aktiv gestalten dürfen. Die Erfahrungen zeigen, dass es realistisch ist, aktivere Mitarbeiter mit weniger Krankheiten und Arbeitsunfällen zu erreichen. Davon profitiert letztendlich das gesamte Unternehmen.

Die aktive Beteiligung aller ist die Voraussetzung des Erfolges des Unternehmens. Dazu ist eine klare Zielsetzung erforderlich, die darauf gerichtet ist, Zufriedenheit bei allen Kunden zu erzielen. Dabei kommt es darauf an, sich nicht zu verzetteln, sondern sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren. Indem man den Gedanken verbreitet, dass zufriedene Kundschaft das Ziel aller ist, kann sich jeder Mitarbeiter in seinem Bereich darauf konzentrieren, diesen optimal zu gestalten. Wenn er das von allen anderen Beteiligten erwarten kann, ergibt sich eine Dynamik, die zur Optimierung des gesamten Systems führt. Dazu müssen allerdings meistens alte, vertraute Pfade verlassen werden. Gerade diejenigen, die in der Lage sind, gegen den Strich zu denken, werden die sinnvollsten Veränderungen bewirken. Dabei muss man sich von dem eindimensionalen Gedanken verabschieden, dass es in erster Linie um Kostensenkung geht. Es handelt sich vielmehr um eine Veränderung aller Faktoren, die schließlich dazu führt, dass der gesamte Geschäftsprozess ohne Verschwendung von Ressourcen bei gleichbleibend hoher Qualität so schlank wie möglich gestaltet wird.

Um diese Ziele zu erreichen, kommt es trotz aller Maschinen und Automatisierung weiterhin zuerst auf den Faktor Mensch an. Sein Wissen über die eigene Tätigkeit im gesamten Prozess ist unabdingbare Voraussetzung für das Gedeihen des Unternehmens. Je besser die Mitarbeiter auf allen Ebenen in die Lage versetzt werden, sich als unverzichtbare Schnittstelle zwischen Maschine, IT-Struktur und Endprodukt mit den verschiedenen Zwischenstationen zu verstehen, desto erfolgreicher wird das Ganze sein. Jeder Fehler im Endprodukt ist ein Zeichen für einen Fehler an einer Stelle im Gesamtprozess. Dieser muss erkannt und abgestellt werden. Darum gilt es, in einer kontinuierlichen Entwicklung diese Prozesse weiterzuentwickeln. Je besser der einzelne Mitarbeiter sich mit seinen Ideen hier einbringen kann, desto nachhaltiger wird der Erfolg des Ganzen sein. Nur so wird man dem Ziel näher kommen, ein perfektes Produkt so wirtschaftlich bereitzustellen, dass sowohl die Produzenten als auch die Konsumenten einen deutlichen Mehrwert wahrnehmen können.